Fußgängerstraße

15.02.2026 · Uwe Heinemann · Spätzlepress

Ich gehe von Ost nach West. Von der östlichen Karl-Friedrich-Straße am Technischen Rathaus Richtung Westen zum Leopoldplatz. Nach ungefähr 100 Metern Metern steht er da; ich könnte auch mit dem Auto direkt hinfahren. Keine Poller würden mir den Weg versperren. Der Pforzheimer Seckel.

Mir scheint er frech. Sein Gesicht verschmitzt. Die Hände greifen nach den Hosenträgern und ziehen daran. Breitbeinig steht er auf einem Steinsockel. Seit Jahrzehnten steht er da. Präsent und unübersehbar.

Hier stehe ich.

Dumm seid ihr.

Weitere hundert Meter fällt mir der Rücken einer größer wirkenden Bronzefigur auf. Links sehe ich versenkbare Poller in Reih und Glied. Wofür stehen die Poller? Auf der gegenüberliegenden Seite keine. Bin ich dumm?

Ich wende mich dem Dicken zu. Er schaut nach Westen. Kein Sockel. Seine Füße sind direkt im Boden verankert. Kurz vor ihm teilt sich die Straße.

Er wirkt älter als der Seckel. Viel älter. Kaum Haare. Der Hals fällt mit dem Kinn zusammen. Keine Poller schützen ihn.

Ich überquere die Straße, die kein Platz sein will, aber auch keine Straße ist und doch Leopoldplatz heißt. Es wird brenzlig. Ein Bus von rechts. Kein Halt. Ich halte.

Die östliche Karl-Friedrich-Straße, eben noch frei zugänglich, löst sich auf. Der offene Osten wird zum versperrten Westen.

Eine Fußgängerampel auf der Fußgängerzone.