Die 4. Zigarette
Vignette · 27.07.2026 · Uwe Heinemann
Leere Wasser-, Wein- und Bierflaschen standen noch im Garten, teils auf dem Gras, teils auf den ausklappbaren Seitentischchen der schwingenden Gartenbank. Nur der Wind ließ sie gelegentlich leicht wippen.
Ich ging auf den Glasstehtisch zu. Der Aschenbecher stand noch darauf. Darin lagen sie: die drei Zigarettenstummel. Ausgedrückt und bis auf die Filter heruntergeraucht. Nicht entsorgt.
Plötzlich kehrte in das Stillleben des Aschenbechers mit den drei Zigarettenstummeln Leben zurück. Eine unsichtbare Flamme brachte Licht in die vergangenen Stunden des Tagtraums.
Ich sah im Dickicht der Erinnerung eine Frau mir gegenüberstehen. Eloquent, mit Sprachwitz und ausdrucksvollen Augen. Grün in unterschiedlichen Nuancen. Gleich den Blättern, die im Wind ihren Farbton verändern.
Ich erzählte ihr von einer Filmszene, während sie die dritte Zigarette am Abend rauchte. Der Rauch, den sie nach jedem Zug an der Zigarette mit einem kurzen Hauch ausstieß, ihr Gesicht von einem Moment auf den anderen vernebelte und sich zwischen uns auflöste, schien uns zu verbinden, gleichsam zu trennen.
Es spielte in einem Zugabteil. Der Protagonist bot ihr wortlos an, die Zigarette zu entzünden, als sie diese zum Mund führte. Ohne Worte nahm sie das Angebot an. Er entzündete behutsam ein Streichholz, ohne dass es zerbrach, und doch mit dem gehörigen Druck, den es brauchte, um sich zu entzünden. Phosphorrauch stieg kurz auf, dann folgten Funken, bis schließlich die Flamme ihre Gesichter leicht erhellte.
Während er diese zur Zigarette führte, umfasste sie seine Hand mit ihrer. Sie schauten sich in die Augen. Das Grün ihrer Augen verschwamm im Dunst des Rauchs und des Vergessens.
Kurze Zeit später verabschiedete sie sich und ging.
Drei Zigarettenstummel blieben im Aschenbecher zurück. Ausgeraucht. Die Flamme erloschen. Der Rauch vergangen. Der Tagtraum blieb.